Biographisches zu Max Weinberg

Mein Vater, Max Weinberg, auch Moshe als jüdische Name genannt, wurde am 19. Januar 1928 in Kassel als Sohn deutsch-polnischer Eltern jüdischen Glaubens geboren. Vater Abraham Weinberg stammte aus Lodz und war 1922 mit seiner Ehefrau Nechi geboren Krug und ihrem esrsten Kind aus beruflichen Gründen nach Kassel gezogen. Max hatte insgesamt drei Schwestern und drei Brüder, darunter den mit schwerer Behinderung geborenen Arno, der später, nach der Flucht der Familie in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. Ohne den in einem Pflegeheim untergebrachten Arno floh die Familie, getrennt in zwei Gruppen, im Sommer bzw. Frühherbst 1933 vor den Nationalsozialisten zunächst nach Belgien und wanderte 1935 nach Israel aus, wo die Familie in Tel Aviv lebte.

Mein Vater malte von klein an und verkaufte schon im Alter von 13 Jahren erste Bilder am Strand von Tel Aviv. Zunächst studierte Max an einer religiös orienterten Kunstschule, bis er 1948 als Soldat in die Streitkraefte des neugegründeten Israel Eingezogen wurde. Mir hat er immer erzählt, dass sowohl die religiöse Schule also auch die Armee eine wichtige Erfahrung für ihn waren. Deshalb war er zeitlebens Israel verbunden und auch traditionell religiös; alle Feiertage waren für ihn wichtig, auch wenn er nicht Shomer Shabbat (orthodox) war. Er wollte auch immer ein jüdisches Begraebnis haben. Er war in diesen Bereichen konventioneller als der Anschein.

Mit 23 Jahren schloss er einen lukrativen Exklusivevertrag mit einem Galeristen, der ihm sämtliche Gemälde abkaufte. Mit dem Erlös finanzierte er sein Studium an der Staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv bei den Professoren Mokady, Stimatzki und Streichmann von 1954 bis 1959. Im Alter von 31 Jahren ging Max mit seinem Bruder Bernahrd aus finanziellen Gründen nach Frankfurt am Main, wo er sich bei Walter Hergenhan an der Städel-Abendschule in Zeichnen fortbildete. 20 Jahre lang erhielt Max finanzielle Unterstützung durch seinen Bruder, was ihm erlaubte, sich ohne Erwebstätigkeit ganz der Kunst zu widmen und auch zu reisen Neben seinem ersten Lebensmittelpunkt im Rödelheim nutzet er zum Leben und Arbeiten über zwanzig Jahre lang ein Städtisches Atelier im Osten der Frankfurter Innenstadt, wo er auch Schulklassen und ausländische Reisegruppen empfing. Er malte aus Berufung bis zu seinem letzen Moment und hatte unzählige Austellungen im In- und Ausland. Mein Vater lebte für die Kunst und seine Kunst sowie sein Atelier waren für alle Menschen offen und ein Mittel zur Kommunikation und Versöhnung zwischen alle Menschen.

Jonatan Weinberg April 2019